30 Jahre Pflegeversicherung sind kein Grund zum Feiern
30 Jahre Pflegeversicherung sind kein Grund zum Feiern
Vor 30 Jahren wurde die soziale Pflegeversicherung als Teilleistungssystem eingeführt, um Pflegebedürftige finanziell abzusichern und Kommunen zu entlasten. Heute steht das System vor grundlegenden Herausforderungen. Der VKAD sieht den Bedarf einer Reform statt einfacher Beitragserhöhungen.
Berlin, 2. Januar 2025 | Dazu erklärt VKAD-Geschäftsführer Andreas Wedeking: „30 Jahre nach Einführung der Pflegeversicherung stehen wir an einem Wendepunkt. Das System ist heute nicht mehr in der Lage, die tatsächlichen Kosten der Pflege zu decken. Für die Träger der Langzeitpflege ist das eine enorme Herausforderung: Sie wollen Pflege für alle ermöglichen, unabhängig vom Einkommen oder der Lebenssituation.
Ohne Reformen wird die Situation weiter eskalieren. Schon jetzt sehen wir steigende Anträge auf ‚Hilfe zur Pflege‘, die die Kommunen organisatorisch überfordern. Und auch die Träger kommen an ihre Grenzen. Zahlungsrückstände der Sozialämter durch Bearbeitungsstaus, schleppende Pflegesatzverhandlungen und ein Mangel an Fachkräften führen zu wirtschaftlicher Instabilität und schlimmstenfalls zur Reduzierung der Versorgungsangebote.
Für uns ist klar: Pflege darf nicht zu einem Luxusgut werden. Jedem Menschen, der sie benötigt, muss der Zugang zur Pflege offenstehen. Zustände wie in Heimen, die Menschen aufgrund fehlender Kostenübernahme durch das Sozialamt eine Aufnahme verweigern, lehnen wir als Leistungserbringer der freien Wohlfahrtspflege strikt ab. Das ist mit unseren Werten nicht vereinbar.
Die Pflegeversicherung muss dringend weiterentwickelt werden. Konkret fordert der VKAD:
Steuerfinanzierung der Pflegeversicherung: Die Pflegeversicherung allein aus Beiträgen zu finanzieren, ist angesichts der steigenden Kosten unrealistisch. Ein Zuschuss aus Steuermitteln ist unverzichtbar, um das System finanziell stabil zu halten und eine umfassende Versorgung sicherzustellen.
Versicherungsfremde Leistungen auslagern: Leistungen wie Behandlungspflege sind aus der Krankenversicherung zu zahlen, Mehrausgaben durch die Corona-Pandemie oder Rentenversicherungsbeiträge für pflegende Angehörige belasten die Pflegeversicherung und müssen aus Steuermitteln finanziert werden.
Ein einheitliches System statt Doppelstrukturen: Die Trennung zwischen privater und sozialer Pflegeversicherung ist kostspielig und schafft Ungleichheit. Eine Vereinheitlichung ist notwendig, um allen Bürgerinnen und Bürgern aus einer Kasse denselben Zugang zu Pflegeleistungen zu ermöglichen.
Über den VKAD
Der Verband katholischer Altenhilfe in Deutschland e.V. (VKAD) vereint rund 500 Träger der katholischen Langzeitpflege in Deutschland. Dahinter stehen mehr als 2.200 Einrichtungen und Dienste mit rund 100.000 Mitarbeitenden. Der bundesweit tätige Fachverband innerhalb des Deutschen Caritasverbandes vertritt die Interessen seiner Mitglieder durch politische Lobbyarbeit, Öffentlichkeitsarbeit und fachliche Expertise.
Download:
- Foto Andreas Wedeking, Geschäftsführer VKAD | Foto: Jens Jeske
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