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Verbandsgründung

In der Nachkriegszeit gab es großen Bedarf an Einrichtungen für alte Menschen

Der Schweringer Weihbischof Norbert Werbs besucht Bewohner des Altenheims Zühr in Mecklenburg um 1985

In der Zeit des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg zeigte sich, dass im sozialen Bereich die Einrichtungen für alte Menschen eine besondere Aufmerksamkeit erforderten. Der Wiederaufbau zerstörter Heime, Planungen für die Modernisierung bestehender Einrichtungen und Konzepte für dringend benötigte Heimneubauten beschäftigten die verantwortlichen Gremien. Die Zahl der katholischen Altenheime in kirchlich-caritativer Trägerschaft stand zusammen mit den evangelischen Heimen der Inneren Mission weit an der Spitze im Vergleich zu den Einrichtungen der übrigen freien Wohlfahrtsverbände im Bundesgebiet. Von kommunaler Seite wurde vielerorts eine rege Tätigkeit auf dem Sektor der Alteneinrichtungen entfaltet. In Fachkreisen erörterte man neue Konzepte für den Ausbau der Altenhilfe, nachdem die im benachbarten Ausland entwickelten neueren Formen der Altenhilfe bekanntgeworden waren.

Die Caritas hatte für alle relevanten Arbeitsfelder Fachverbände - doch für die zahlenmäßig starken Altenheime fehlte eine Fachverbandsstruktur

In dieser Situation lag die Frage nahe, was auf kirchlich-caritativer Seite getan werden müsse, um die Träger katholischer Altenheime zu beraten, sie fachlich zu fördern und in der Öffentlichkeit  zu vertreten. Wohl hatten die Heime Rückhalt an den Mutterhäusern, an den Pfarrgemeinden, an den Orts- und Diözesan-Caritasverbänden, von denen sie getragen  waren. Auch  wurde  von Caritasverbänden wiederholt  zu Konferenzen und Fortbildungskursen in Fragen der Heimführung  und Altenpflege eingeladen. Im Deutschen Caritasverband bestand bereits  ein  Arbeitskreis  für caritative  Altenhilfe. Doch wurde immer deutlicher empfunden, dass noch ein anderer Weg eingeschlagen werden sollte. Die übrigen katholischen  Einrichtungen  Krankenhäuser, Kindergärten, Erziehungsheime, Behindertenheime waren längst in eigenen Fachverbänden zusammengeschlossen. Für die Altenheime als zahlenmäßig  stärkste  Gruppe  fehlte bisher ein Zusammenschluss. Auf evangelischer  Seite gab es bereits einen eigenen "Verband evangelischer  Alten- und Siechenheime", der für die Heime unentbehrlich  geworden war.  So lag es nahe, die Gründung eines Verbandes der katholischen Einrichtungen der Altenhilfe anzustreben.

Die Gründung des Fachverbandes wurde 1963 durch Msgr. Dr. Kröner und Caritaspräsident Stehlin vorbereitet

Die nötigen Schritte zur Vorbereitung  wurden nach ersten Beratungen  im Lorenz- Werthmann-Haus seit dem Frühjahr 1963 getan. Der Leiter der Arbeitsgemeinschaft für  caritative   Altenhilfe,  Landescaritasdirektor Msgr.  Dr.  Kröner,  München,  trug dem  Zentralrat  des Deutschen  Caritasverbandes sowie der Konferenz der Vereinigung höherer Ordensoberen den Vorschlag vor. In beiden Gremien fand er volle Zustimmung. Im September wandte sich Caritaspräsident Stehlin mit einem ausführlichen Schreiben an die Träger und Leiter der katholischen Altenheime; gleichzeitig verständigte er die Mutterhäuser und die Diözesan-Caritasverbände von dem Rundschreiben an die Heime.

Was sollte der neu zu gründende Fachverband leisten?

In der Anfrage von Caritaspräsident Stehlin wurde die Aufgabe eines Verbandes so umschrieben:

"den Heimen laufend Orientierungen und Informationen vermitteln, sie in Einzelfragen beraten, sie regional und diözesan zu Konferenzen zusammenführen, die Interessen der Heime anderen Gremien gegenüber vertreten, in Bezug auf Fortbildung und Ausbildung der Mitarbeiter für die Altenpflege Initiativen entwickeln".

Großes Interesse an einem Fachverband für die katholische Altenhilfe gab die Legitimation zur Verbandsgründung am 03.12.1963

Das Echo auf diese Umfrage war unerwartet stark. Nahezu 700 Träger von Heimen, darunter zahlreiche Mutterhäuser, zeigten sich an der Gründung eines Verbandes interessiert. So war die Legitimation für das Vorhaben gegeben.

Zur Gründungsversammlung am 3. Dezember 1963 wurde nach Köln ins Karl-Josef-Haus eingeladen. 146 Teilnehmer fanden sich ein, Vertreter von Mutterhäusern, Oberinnen und Schwestern aus Altenheimen, Direktoren und Mitarbeiter aus Orts- und Diözesan-Caritasverbänden. Präsident Stehlin leitete die Versammlung und begründete nochmals das Vorhaben. Der Satzungsentwurf wurde beraten und eine Fassung erarbeitet, der die Anwesenden zustimmten. Der Zusammenschluss katholischer Heime und Einrichtungen zum zentralen Fachverband innerhalb des Deutschen Caritasverbandes war vollzogen.


Quelle:
In einem Rückblick anlässlich des 25-jährigen Verbandsjubiläums im Jahr 1988 wurde die Vorgeschichte und Anlass der Verbandsgründung beschrieben. Veröffentlicht wurde dieser Aufsatz in der Festschrift zum 50-jährigen Verbandsjubiläum des VKAD: Joachim Faller: "Die Zeichen der Zeit erkennen", Freiburg 2013